Histamin und Beschwerden im Kopfbereich: Was passiert, wenn das Gleichgewicht gestört ist?
- 8. Aug.
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Histamin wirkt nicht nur im Verdauungssystem. Über die Rezeptoren H1–H4 beeinflusst es auch das Nerven-, Gefäß- und Immunsystem. Im zentralen Nervensystem fungiert Histamin als Neurotransmitter und ist unter anderem an der Regulation von Wachheit und neuronaler Signalübertragung beteiligt.¹
Bei Personen mit Verdacht auf Histaminintoleranz werden auch Kopfschmerzen, migräneartige Beschwerden und Schwindel beschrieben. In einer klinischen Studie mit 133 Patienten gehörten Kopfschmerzen und Schwindel zu den häufig berichteten extraintestinalen Symptomen.²
Kopfschmerzen und Migräne
Histamin beeinflusst sowohl den Gefäßtonus als auch die neuronale Signalübertragung. Die Aktivierung von H1-Rezeptoren ist an der Vasodilatation sowie an Mechanismen beteiligt, die mit Kopfschmerzen in Verbindung stehen.³
Der Zusammenhang zwischen Histamin und Migräne ist nicht nur theoretischer Natur. Experimentell verabreichtes Histamin kann Kopfschmerzen und bei Migränepatienten auch Migräneattacken auslösen. Dabei spielt der H1-Rezeptor eine wichtige Rolle.³˒⁴
Bei manchen empfindlichen Personen kann eine erhöhte Histaminexposition daher mit Kopfschmerzen oder einer Verstärkung migräneartiger Beschwerden zusammenhängen. Histamin ist jedoch nicht der einzige Mechanismus bei der Entstehung von Migräne, und es lässt sich nicht behaupten, dass Histaminintoleranz die Ursache jeder Migräne ist.⁴
Schwindel und Unsicherheitsgefühl
Das histaminerge System spielt auch im peripheren und zentralen Vestibularsystem eine Rolle, das an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und an der Verarbeitung von Informationen über Bewegung und Körperposition beteiligt ist. Histaminrezeptoren wurden sowohl in Strukturen des Innenohrs als auch in den zentralen vestibulären Bahnen nachgewiesen.⁵
Die Bedeutung der Histaminsignalübertragung für das Vestibularsystem wird auch dadurch gestützt, dass Medikamente, die H1- und H3-Rezeptoren beeinflussen, bei bestimmten Formen von Vertigo eingesetzt werden.⁶
Über die Vasodilatation kann Histamin zudem den Blutdruck beeinflussen, was bei stärkerer Exposition zu Schwächegefühl oder dem Gefühl, „gleich ohnmächtig zu werden“, beitragen kann.³
Dies stellt eine biologisch plausible Erklärung für einen Zusammenhang zwischen Histamin und Schwindel dar. Es bedeutet jedoch nicht, dass Histaminintoleranz eine allgemeine Ursache für Schwindel ist. Schwindel kann viele verschiedene Ursachen haben.
Histamin und das Nervensystem
Histamin ist also nicht nur ein Stoff, der mit Allergien und Verdauung in Verbindung steht. Im Gehirn wirkt es als Neurotransmitter und Neuromodulator und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Wachheit, Schlaf und der Aktivität weiterer neuronaler Systeme.¹
Kopfschmerzen, migräneartige Beschwerden und Schwindel sind jedoch nicht spezifisch für eine Histaminintoleranz. Fachliche Leitlinien weisen darauf hin, dass Beschwerden, die aufgenommenem Histamin zugeschrieben werden, unspezifisch sind und derzeit kein einzelner allgemein anerkannter Labortest existiert, mit dem sich die Diagnose eindeutig bestätigen lässt.⁷
Die oben genannten Beschwerden stellen daher nur einen Teil der möglichen mit Histamin verbundenen Symptome dar. Ein einzelnes Symptom allein reicht nicht aus, um eine Histaminintoleranz festzustellen.
Wissenschaftliche Quellen
1. Scammell TE, Jackson AC, Franks NP, Wisden W, Dauvilliers Y.Histamine: neural circuits and new medications.Sleep. 2019;42(1). DOI: 10.1093/sleep/zsy183.PubMed | Volltext – PMC
2. Schnedl WJ, Lackner S, Enko D, et al.Evaluation of symptoms and symptom combinations in histamine intolerance.Intestinal Research. 2019;17(3):427–433. DOI: 10.5217/ir.2018.00152.PubMed | Volltext – PMC
3. Thomsen LL, Olesen J.Investigations into the role of nitric oxide and the large intracranial arteries in migraine headache.Cephalalgia.PubMed
4. Alstadhaug KB.Histamine in migraine and brain.Headache. 2014;54(2):246–259.PubMed
5. Tighilet B, et al.Histaminergic System and Vestibular Function in Normal and Pathological Conditions. 2024.Volltext – PMC
6. Dyhrfjeld-Johnsen J, Attali P.Management of peripheral vertigo with antihistamines: New options on the horizon.British Journal of Clinical Pharmacology. 2019.Volltext – PMC
7. Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, et al.Guideline on management of suspected adverse reactions to ingested histamine.Allergo Journal International. 2021.Volltext – PMC




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