Histamin, Verdauung, Blähungen und der Zusammenhang mit SIBO/IMO
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Histaminintoleranz (HIT) kann mit verschiedenen gastrointestinalen Beschwerden verbunden sein. Dazu zählen insbesondere Bauchschmerzen oder -krämpfe, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und andere Verdauungsbeschwerden.¹˒²
Histamin wirkt über Histaminrezeptoren, die auch im Verdauungstrakt vorhanden sind. Im menschlichen Darm wurden insbesondere die Rezeptoren H1, H2 und H4 nachgewiesen. Die Histamin-Signalübertragung ist unter anderem an der Regulation der Sekretion und der Darmmotilität beteiligt.³
Bei empfindlichen Personen kann Histamin daher zu Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen oder Veränderungen des Stuhlgangs beitragen. Das Gefühl eines stark aufgeblähten oder vergrößerten Bauches bedeutet dabei nicht zwangsläufig eine Zunahme des Körperfetts – insbesondere Gase, Darminhalt und eine Distension des Verdauungstrakts können zu einem vergrößerten Bauchumfang beitragen.⁸
Histamin und die Darmmikrobiota
Die Beziehung zwischen Histamin und der Darmmikrobiota ist komplex. Einige Darmbakterien verfügen über das Enzym Histidindecarboxylase, mit dem sie die Aminosäure Histidin in Histamin umwandeln können. Bei Personen mit Symptomen einer Histaminintoleranz wurden eine veränderte Zusammensetzung der Darmmikrobiota und ein höherer Anteil bestimmter histaminproduzierender Bakterien beschrieben.⁴
Aus Sicht des Darmepithels und des Enzyms DAO ist es nicht entscheidend, ob Histamin aus der Nahrung stammt oder von der Darmmikrobiota gebildet wurde. In beiden Fällen handelt es sich um dasselbe Histaminmolekül, das im Darmlumen vorhanden ist. Entscheidend sind vor allem die gesamte Histaminbelastung und die Frage, ob ausreichend DAO-Aktivität vorhanden ist, um das Histamin kontinuierlich abzubauen.⁵
Die in der Darmschleimhaut vorhandene DAO stellt daher eine wichtige metabolische Barriere gegen exogenes Histamin dar. Übersteigt die Histaminmenge die Fähigkeit des Körpers, dieses abzubauen, kann die Menge an Histamin zunehmen, die für eine Wirkung im Darm und eine anschließende Aufnahme zur Verfügung steht.⁵
Histaminintoleranz und SIBO
SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) bezeichnet einen Zustand, der durch eine übermäßige Menge an Bakterien im Dünndarm in Verbindung mit gastrointestinalen Symptomen gekennzeichnet ist. Zu den typischen Beschwerden zählen Blähungen, vermehrte Gasbildung, Bauchschmerzen oder -beschwerden, Durchfall und andere Veränderungen des Stuhlgangs.⁶
Die Symptome von SIBO können sich daher erheblich mit Beschwerden überschneiden, die einer Histaminintoleranz zugeschrieben werden. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen SIBO und HIT ist bislang nicht ausreichend belegt. Es gibt jedoch mehrere biologische Mechanismen, die beide Problematiken miteinander verbinden könnten.
Einer davon ist die Produktion von Histamin durch bestimmte Darmbakterien.
Bei Patienten mit Symptomen einer HIT wurde eine signifikant höhere Häufigkeit verschiedener histaminproduzierender Mikroorganismen beschrieben, darunter beispielsweise Vertreter der Gattungen Staphylococcus und Proteus, bestimmte Enterobacteriaceae sowie Clostridium perfringens und Enterococcus faecalis.⁴
SIBO kann unter bestimmten Bedingungen zudem mit einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut und einer Beeinträchtigung ihrer Funktionen verbunden sein.⁹
Aus Sicht des Histaminstoffwechsels ist dies relevant, da DAO in erheblichem Maße im Darmepithel exprimiert wird und die intestinale DAO einen der wichtigsten Mechanismen für den Abbau von exogenem Histamin darstellt.⁵˒⁹
Bei manchen Patienten können daher mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten:
eine höhere Histaminbelastung durch die Nahrung,
die Produktion von Histamin durch Darmmikroorganismen,
Veränderungen der Darmmikrobiota,
und eine unzureichende Kapazität der intestinalen DAO, die daraus resultierende Histaminmenge abzubauen.
In einer solchen Situation kann es sinnvoll sein, neben der Behandlung des SIBO gleichzeitig den Histaminabbau durch exogene DAO zu unterstützen.⁵˒¹⁰
DAO behandelt dabei nicht die bakterielle Überwucherung. Sie wirkt auf einen anderen, parallel bestehenden Mechanismus – die Menge an Histamin, die im Gastrointestinaltrakt vorhanden ist.
Und was ist mit IMO?
Bei IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth) ist die Situation anders. Methan wird von methanogenen Archaeen und nicht von Bakterien produziert. IMO ist daher keine klassische Form eines bakteriellen SIBO.⁶˒⁷
Methanogene Archaeen im Darm nutzen Produkte der bakteriellen Fermentation, insbesondere Wasserstoff. Eine erhöhte Methanproduktion ist deutlich mit einer langsameren Darmpassage und Verstopfung verbunden. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 19 Studien mit 1.293 Patienten mit IMO stellte bei 78 % Blähungen, bei 65 % Bauchschmerzen, bei 56 % vermehrte Gasbildung und bei 51 % Verstopfung fest.⁷
Das Vorliegen von IMO bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch vermehrt Histamin produziert wird. IMO und eine erhöhte Histaminbelastung können gleichzeitig als zwei unterschiedliche Mechanismen bestehen.
Wenn eine Person mit IMO gleichzeitig Beschwerden hat, die mit Histamin in Verbindung stehen, kann es daher sinnvoll sein, beide Komponenten parallel zu berücksichtigen:
IMO und seine Ursache – insbesondere die Überwucherung mit Methanogenen und Störungen der Motilität,
die Histaminbelastung – durch Ernährungsmaßnahmen und gegebenenfalls eine Ergänzung mit DAO.
DAO beeinflusst weder die Methanproduktion noch die Menge an Archaeen, kann jedoch den Abbau des im Darm vorhandenen Histamins unterstützen.⁵
Und wie sieht es mit DAO bei SIBO oder IMO aus?
DAO ist ein Enzym, das insbesondere in der Darmschleimhaut vorkommt und am Abbau von Histamin beteiligt ist, bevor dieses systemisch aufgenommen wird.¹˒⁵
Aus Sicht der DAO ist es nicht entscheidend, ob das im Darm vorhandene Histamin aus der Nahrung stammt oder von der Mikrobiota produziert wurde. Entscheidend sind die resultierende Histaminmenge und die Frage, ob ausreichend Enzymaktivität vorhanden ist, um dieses kontinuierlich abzubauen.⁵
Auch für die orale Supplementierung von DAO liegen klinische Daten vor. In einer offenen Interventionsstudie mit 28 Patienten mit Histaminintoleranz führte die vierwöchige Einnahme von DAO vor den Mahlzeiten zu einer signifikanten Verringerung der untersuchten Symptome. Zu den bewerteten gastrointestinalen Beschwerden gehörten unter anderem Blähungen, postprandiales Völlegefühl, Bauchschmerzen und -koliken, Durchfall, Verstopfung und Aufstoßen. Nach dem Absetzen von DAO stieg der Gesamtsymptom-Score wieder an.¹⁰
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Studie bei Patienten mit HIT und nicht speziell bei Patienten mit SIBO oder IMO durchgeführt wurde. Auf Grundlage des Wirkmechanismus kann DAO bei Personen mit SIBO oder IMO, die gleichzeitig Beschwerden aufweisen, die mit einer erhöhten Histaminbelastung vereinbar sind, daher als ergänzende Unterstützung zu Maßnahmen betrachtet werden, die auf SIBO bzw. IMO selbst abzielen.
In der Praxis können somit zwei Ansätze parallel verfolgt werden:
1. Behandlung von SIBO/IMO– mikrobielle bzw. methanogene Überwucherung, Motilität und weitere zugrunde liegende Ursachen
2. Reduzierung der Histaminbelastung– Anpassung der Ernährung und gegebenenfalls Ergänzung mit DAO vor den Mahlzeiten
Diese Ansätze stehen nicht in Konkurrenz zueinander, da sie auf unterschiedliche Mechanismen wirken.
Warum könnte gerade milDAO bei SIBO/IMO geeignet sein?
milDAO enthält DAO aus Erbsensprossen. Erbsensprossen sind in der wissenschaftlichen Literatur als natürliche Quelle von DAO mit histaminabbauender Aktivität beschrieben. In einer Laborstudie zeigten lyophilisierte Erbsensprossen unter den untersuchten Nahrungsquellen sogar die höchste histaminabbauende Aktivität.¹¹
Gemäß der aktuell deklarierten Zusammensetzung enthält eine Tablette milDAO lediglich 1,5 mg pflanzliches Protein und 3,5 μg DAO bei einer vom Hersteller deklarierten Aktivität von mindestens 1.000.000 HDU pro Tablette.¹²
Dies kann bei einer empfindlichen Verdauung praktisch relevant sein. Obwohl das Enzym aus Erbsen gewonnen wird, stellen 1,5 mg Protein nur eine sehr geringe Menge pflanzlichen Materials dar. Hinsichtlich der fermentierbaren Belastung ist eine Tablette daher nicht mit dem Verzehr einer üblichen Portion Erbsen oder Erbsensprossen vergleichbar.¹²
Zum Vergleich: Für NaturDAO 1.000.000 HDU werden in der US-amerikanischen Dietary Supplement Label Database 32,1 mg pflanzliches Protein aus Linsen und Erbsen pro Tablette angegeben.¹³
Die Proteinmenge allein ist jedoch kein direktes Maß für die Wirksamkeit. Entscheidend sind vor allem die Enzymaktivität und die Methode, mit der diese bestimmt wird.
Bei Personen mit SIBO oder IMO und gleichzeitig bestehenden histaminbezogenen Beschwerden kann milDAO daher als ergänzende Unterstützung des Histaminabbaus eingesetzt werden, insbesondere vor Mahlzeiten, bei denen eine höhere Histaminbelastung zu erwarten ist.
milDAO ersetzt jedoch nicht die Behandlung von SIBO oder IMO. Seine Aufgabe besteht darin, den enzymatischen Abbau von Histamin zu unterstützen, während die zugrunde liegende Ursache von SIBO/IMO separat behandelt werden muss.
Ebenso wichtig ist der Hinweis, dass bislang keine direkte klinische Studie mit milDAO speziell bei Patienten mit SIBO oder IMO vorliegt.
Die Empfehlung basiert daher auf der physiologischen Funktion von DAO, den verfügbaren klinischen Daten zur oralen DAO-Supplementierung, der experimentell nachgewiesenen histaminabbauenden Aktivität von DAO aus Erbsensprossen sowie der Zusammensetzung des Produkts.⁵˒¹⁰˒¹¹˒¹²
Histamin, DAO, Darmmikrobiota und Motilität können somit eng miteinander zusammenhängen – es handelt sich jedoch nicht um einen einzigen Mechanismus.
Aus Sicht des Darmepithels lautet die entscheidende Frage nicht, ob das Histamin aus der Nahrung oder von der Mikrobiota stammt.
Entscheidend sind die Gesamtmenge an Histamin und die Fähigkeit der verfügbaren DAO, dieses ausreichend schnell abzubauen.
Wissenschaftliche Quellen
1. Maintz L, Novak N.Histamine and histamine intolerance.American Journal of Clinical Nutrition. 2007;85(5):1185–1196.DOI: 10.1093/ajcn/85.5.1185PubMed
2. Schnedl WJ, Lackner S, Enko D, et al.Evaluation of symptoms and symptom combinations in histamine intolerance.Intestinal Research. 2019;17(3):427–433.DOI: 10.5217/ir.2018.00152PubMed | Volltext – PMC
3. Sander LE, Lorentz A, Sellge G, et al.Selective expression of histamine receptors H1R, H2R, and H4R, but not H3R, in the human intestinal tract.Gut. 2006;55(4):498–504.DOI: 10.1136/gut.2004.061762PubMed | Volltext – PMC
4. Sánchez-Pérez S, Comas-Basté O, Duelo A, et al.Intestinal Dysbiosis in Patients with Histamine Intolerance.Nutrients. 2022;14(9):1774.DOI: 10.3390/nu14091774PubMed | Volltext – PMC
Die Studie beschreibt bei Patienten mit Symptomen einer HIT einen signifikant höheren Anteil verschiedener histaminproduzierender Bakterien.
5. Comas-Basté O, Sánchez-Pérez S, Veciana-Nogués MT, Latorre-Moratalla ML, Vidal-Carou MC.Histamine Intolerance: The Current State of the Art.Biomolecules. 2020;10(8):1181.DOI: 10.3390/biom10081181PubMed | Volltext – PMC
Die Übersichtsarbeit fasst die zentrale Rolle der intestinalen DAO beim Abbau von aufgenommenem Histamin zusammen.
6. Pimentel M, Saad RJ, Long MD, Rao SSC.ACG Clinical Guideline: Small Intestinal Bacterial Overgrowth.American Journal of Gastroenterology. 2020;115(2):165–178.DOI: 10.14309/ajg.0000000000000501PubMed
Die ACG definiert SIBO als eine übermäßige Menge an Bakterien im Dünndarm, die mit gastrointestinalen Symptomen verbunden ist.
7. Mehravar S, Takakura W, Wang J, et al.Symptom Profile of Patients With Intestinal Methanogen Overgrowth: A Systematic Review and Meta-analysis.Clinical Gastroenterology and Hepatology. 2025;23(7):1111–1122.e9.DOI: 10.1016/j.cgh.2024.07.020PubMed | Volltext – Journal
Die Metaanalyse umfasste 19 Studien, 1.293 Patienten mit IMO und 3.208 Kontrollpersonen. Verstopfung war bei IMO häufiger und stärker ausgeprägt.
8. Moshiree B, Drossman D, Shaukat A.AGA Clinical Practice Update on Evaluation and Management of Belching, Abdominal Bloating, and Distention: Expert Review.Gastroenterology. 2023;165(3):791–800.PubMed
9. Bushyhead D, Quigley EMM.Small Intestinal Bacterial Overgrowth—Pathophysiology and Its Implications for Definition and Management.Gastroenterology. 2022;163(3):593–607.DOI: 10.1053/j.gastro.2022.04.002PubMed | Volltext – Journal
Die Übersichtsarbeit beschreibt die Pathophysiologie von SIBO einschließlich einer Besiedlung des Dünndarms mit potenziell schädigender Mikrobiota.
10. Schnedl WJ, Schenk M, Lackner S, et al.Diamine oxidase supplementation improves symptoms in patients with histamine intolerance.Food Science and Biotechnology. 2019;28(6):1779–1784.DOI: 10.1007/s10068-019-00627-3PubMed | Volltext – PMC
In der vierwöchigen offenen Pilotstudie verringerte sich der Gesamtsymptom-Score während der DAO-Einnahme signifikant. Zu den untersuchten gastrointestinalen Symptomen gehörten Blähungen, postprandiales Völlegefühl, Bauchschmerzen, Durchfall und weitere Beschwerden. Die Studie umfasste lediglich 28 Patienten und war teilweise mit dem Hersteller des verwendeten DAO-Präparats verbunden. Die Ergebnisse sollten daher als unterstützende und nicht als definitive klinische Evidenz interpretiert werden.
11. Comas-Basté O, Latorre-Moratalla ML, Sánchez-Pérez S, et al.In vitro determination of diamine oxidase activity in food matrices by an enzymatic assay coupled to UHPLC-FL.Analytical and Bioanalytical Chemistry. 2019.PubMed
Die Studie stellte bei lyophilisierten Erbsensprossen eine hohe histaminabbauende DAO-Aktivität fest; unter den getesteten Quellen wiesen sie die höchste Aktivität auf.
Ergänzende Arbeit:Comas-Basté O, Latorre-Moratalla ML, Rabell-González J, et al.Lyophilised legume sprouts as a functional ingredient for diamine oxidase enzyme supplementation in histamine intolerance.LWT – Food Science and Technology. 2020;125:109201.DOI: 10.1016/j.lwt.2020.109201Volltext – University of Barcelona Repository
12. milDAO – deklarierte Zusammensetzung des Herstellers.
Gemäß der aktuellen Produktdeklaration: 1,5 mg pflanzliches Protein, 3,5 μg DAO und mindestens 1.000.000 HDU pro Tablette.
Dabei handelt es sich um vom Hersteller deklarierte Angaben und nicht um Ergebnisse einer unabhängigen klinischen Studie.
13. NIH Dietary Supplement Label Database – NaturDAO 1,000,000 HDU.
Auf dem in der Datenbank hinterlegten Etikett werden 32,1 mg pflanzliches Protein aus Lens culinaris und Pisum sativum angegeben.
Dabei handelt es sich um eine Datenbank mit deklarierten Produktangaben und nicht um einen klinischen Vergleich zwischen milDAO und NaturDAO.




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